Was haben wir in diesem Sommer mit unserem Rasen gelitten. Bei vielen sah es aus wie in der Wüste. Die klimatischen Veränderungen zwingen uns, trockenheitsresistente Böden aufzubauen. Auch wenn sich die Rasenfläche jetzt im September langsam wieder fängt, bleiben oft ramponierte, kahle Stellen zurück – bei Oberflächentemperaturen von bis zu 45 Grad in der vollen Sonne wächst schlichtweg kein Gras mehr.
Genau jetzt ist der ideale Zeitpunkt, um diese Stellen anzugehen. Mit der richtigen Pflege bereitest Du Deinen Rasen nicht nur auf den Winter vor, sondern sorgst dafür, dass Du im Spätsommer und Frühherbst noch eine saftig grüne Fläche genießen kannst. Hier erfährst Du Schritt für Schritt, wie Du Deinen Rasen rettest.
Das Wichtigste in Kürze
Der September ist das Reparaturfenster für den Rasen: warme Nächte, moderate Tage, regelmäßiger Regen. Kaputte, verfilzte Stellen werden vertikutiert, gesunde Flächen nur gelüftet. Danach Sand und torffreie Erde einarbeiten, nachsäen und kaliumbetont düngen – Stickstoff hat im Herbst nichts mehr zu suchen.
Warum der September so wichtig für den Rasen ist
Das aktuelle Wetter bietet perfekte Bedingungen: Die Nächte sind warm, tagsüber wird es nicht mehr zu heiß, und regelmäßige Regenschauer unterstützen das Wachstum. Um Unkraut zu vermeiden und die Grasnarbe zu stärken, beginnen wir jetzt mit einem gezielten Pflegeprogramm.
Im Hochsommer wäre jeder dieser Schritte ein Fehler gewesen – warum Du bei Hitze weder vertikutieren noch nachsäen solltest, habe ich in der Rasenpflege bei Hitze und Trockenheit ausführlich erklärt. Jetzt dreht sich das Vorzeichen um: Was der Rasen im Juli nicht verkraftet hätte, steckt er im September problemlos weg und wächst innerhalb von zwei Wochen wieder zu.
Der erste Kurzhaarschnitt
Bevor wir in die Tiefe gehen, wird der Rasen einmal richtig kurz gemäht. Das legt die Problemstellen frei und bereitet die Fläche optimal auf die kommenden Arbeitsschritte vor. Erst nach diesem Schnitt siehst Du ehrlich, wie viel Fläche wirklich kahl ist – und wo einfach nur totes Material aus dem Sommer liegt.
Unkraut gezielt bekämpfen
Häufig wird Vertikutieren als Allheilmittel gegen Unkraut angepriesen. Das ist jedoch nur die halbe Wahrheit. Kriechende Unkräuter wie Klee haben stark darunter zu leiden, aber tiefwurzelnde Pflanzen wie der Löwenzahn lassen sich davon kaum beeindrucken. Deren Pfahlwurzel sitzt zu tief, und aus jedem Wurzelstück, das im Boden bleibt, treibt die Pflanze wieder aus.
Hier kommt ein spezielles Werkzeug ins Spiel: der ArcWeeder. Das ist ein praktischer Aufsatz für den Akkuschrauber, mit dem Du der langen Wurzel des Löwenzahns gezielt an den Kragen gehst. Die Wurzel wird regelrecht geschreddert, und es bleibt nur eine kleine Lücke zurück, die schnell wieder zuwächst. Kein Ausstechen, kein Loch im Rasen, nichts zum Aufsammeln.

ArcWeeder Unkrautentferner
Trennt die Wurzel unter der Grasnarbe – die Rasenfläche bleibt geschlossen.
In den EinkaufswagenVertikutieren oder lüften?
Hier ist es wichtig, trennscharf zu bleiben, denn es gibt zwei unterschiedliche Walzen – und die machen zwei völlig verschiedene Dinge mit Deinem Rasen.
| Walze | Was sie macht | Wofür sie gedacht ist |
|---|---|---|
| Vertikutierrolle mit Stahlzinken | Ritzt tief in den Boden, öffnet die Grasnarbe und stresst den Rasen spürbar | Kaputte, verfilzte Stellen – bei feuchten Herbstbedingungen wächst das Gras schnell wieder an |
| Lüftungswalze mit filigranen Federn | Kämmt totes Material schonend aus dem Gras, ohne die Narbe zu verletzen | Gesunde Rasenstellen, die nicht unnötig gestresst werden sollen |
Ein Kombigerät mit Wechselwalze ist deshalb die praktischste Lösung: Du fährst mit der Stahlzinken-Walze über die ramponierten Bereiche und wechselst für den Rest der Fläche auf die Federwalze. Nach dem Kämmen stehen die quer gewachsenen Grashalme wieder aufrecht – daher wird nun noch einmal kurz gemäht.
Nicht verwechseln solltest Du das Ganze mit dem Aerifizieren: Dabei werden echte Erdkerne aus dem Boden gestanzt, um verdichtete Flächen zu belüften. Wann sich das lohnt, liest Du im Beitrag Aerifizieren im Herbst.
Bodenverbesserung mit Sand und Pflanzenkohle
Nachdem die Grasnarbe geöffnet ist, arbeiten wir Rasensand ein. Das verbessert die Drainagefähigkeit des Bodens und bringt dringend benötigten Sauerstoff an die Wurzeln. Zusätzlich arbeite ich eine hochwertige Erdenmischung mit Pflanzenkohle (Biochar) ein.
Da wir uns in Deutschland ohnehin auf den Torfausstieg im Hobbygarten einstellen – für Blumenerden im Hobbybereich ist der Ausstieg bis 2026 das erklärte Ziel –, ist der Umstieg auf torffreie Alternativen ohnehin überfällig. Eine torffreie Rasenerde wie die Bio-Erde Sportlich erfüllt genau diesen Zweck beim Ausbessern von Schadstellen.
Pflanzenkohle ist hier der absolute Geheimtipp: Sie sorgt dafür, dass Feuchtigkeit extrem gut im Boden gehalten wird. So verbesserst Du den Untergrund Deines Rasens Jahr für Jahr und wappnest ihn gegen künftige Hitzeperioden. Warum ich so überzeugt davon bin, erkläre ich in meinem Beitrag über Pflanzenkohle im Garten.
Nachsaat und die richtige Herbstdüngung
Auf die vorbereiteten Stellen bringen wir nun die Nachsaat aus. Den Abschluss bildet das Düngen – und hier wird es entscheidend.
Achtung
Verwende im Herbst auf keinen Fall einen starken Stickstoffdünger. Stickstoff regt das Massenwachstum an, was die Pflanze vor dem Frost schwächt. Der Fokus liegt jetzt auf Kalium: Es stärkt die Pflanzenzellen und macht den Rasen widerstandsfähig für den Winter.
Unser Gartencoach Rasendünger enthält neben dem wichtigen Kalium auch Pflanzenkohle, die Nährstoffe und Wasser direkt an der Wurzel speichert und den Boden nachhaltig verbessert. Er wirkt also in beide Richtungen: kurzfristig für die Nachsaat, langfristig für den Bodenaufbau.
Wie viel Dünger zu viel ist, merkst Du erst, wenn es zu spät ist – die typischen braunen Streifen einer Überdosierung zeigt der Beitrag Braune Flecken & Überdüngung im Rasen.
Alle Pflegeschritte im Überblick
| Schritt | Maßnahme | Werkzeug / Produkt |
|---|---|---|
| 1. Vorbereitung | Rasen kurz mähen | Rasenmäher |
| 2. Unkraut entfernen | Tiefwurzler vernichten | ArcWeeder Akkuschrauber-Aufsatz |
| 3. Boden bearbeiten | Kaputte Stellen vertikutieren, gesunde lüften | Vertikutierer mit Wechselwalze |
| 4. Boden verbessern | Drainage und Wasserspeicherung optimieren | Rasensand & torffreie Erde mit Pflanzenkohle |
| 5. Abschluss | Kahlstellen nachsäen & kaliumbetont düngen | Gartencoach Rasendünger |
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In den EinkaufswagenDas Praxisvideo
Wie die einzelnen Schritte auf der Fläche aussehen, zeige ich Dir im Video:
Häufige Fragen
Soll man verbrannten Rasen vertikutieren?
Ja, aber erst, wenn er sich erholt und wieder zu wachsen beginnt – also nicht im Hitzestress, sondern jetzt im September. Vertikutieren ist ein Eingriff, den nur ein wachsender Rasen wegsteckt. Auf einer noch trockenen, ruhenden Fläche reißt Du dagegen die Narbe auf, ohne dass etwas nachwächst.
Was ist der Unterschied zwischen Vertikutieren und Lüften?
Die Vertikutierrolle hat starre Stahlzinken, ritzt in den Boden und öffnet die Grasnarbe – das stresst den Rasen und ist für kaputte, verfilzte Stellen gedacht. Die Lüftungswalze hat filigrane Federn und kämmt totes Material nur schonend aus. Gesunde Flächen werden deshalb gelüftet, nicht vertikutiert.
Hilft Vertikutieren gegen Unkraut im Rasen?
Nur zum Teil. Kriechende Unkräuter wie Klee leiden stark darunter, weil ihre oberflächlichen Ausläufer zerschnitten werden. Tiefwurzler wie Löwenzahn beeindruckt das kaum – deren Pfahlwurzel sitzt zu tief und treibt wieder aus. Die musst Du gezielt entfernen.
Welchen Dünger braucht der Rasen im Herbst?
Einen kaliumbetonten Dünger. Kalium stärkt die Zellwände und macht den Rasen frosthart. Ein stickstoffbetonter Dünger würde jetzt weiches Massenwachstum anregen, das der erste Frost beschädigt.
Wie lange dauert es, bis der Rasen wieder grün ist?
Bei guter Wasserversorgung etwa 14 Tage. Zu dieser Jahreszeit ist der Boden noch warm und die Nächte sind feucht – das ist die schnellste Wachstumsphase, die der Rasen im ganzen Jahr hat.
Wie viel Rasensand brauche ich?
Als grober Richtwert reichen für eine Auflage nach dem Vertikutieren rund 3 bis 5 Liter Sand pro Quadratmeter. Wichtig ist, dass die Grashalme danach noch herausschauen – der Sand soll die Narbe öffnen und die Drainage verbessern, den Rasen aber nicht ersticken.
Fazit
Nach diesen Schritten muss es kräftig regnen, oder Du musst die Fläche gut wässern. Zu dieser Jahreszeit wächst der Rasen hervorragend an, und Du wirst in etwa 14 Tagen wieder ein richtig schönes, dichtes Grün in Deinem Garten haben.
Die Investition in den Boden lohnt sich, denn ein tiefer, gesunder Wurzelraum ist der beste Schutz gegen den nächsten trockenen Sommer. Welche Rasenstellen haben in Deinem Garten diesen Sommer am meisten gelitten, und wie gehst Du das Problem aktuell an? Schreib es mir in die Kommentare, ich bin gespannt auf Deine Erfahrungen!
Dein Gartencoach 🌿