So schneidest, bewurzelst und pflanzt Du Feigenstecklinge im August
Einen Feigenbaum vermehren ist einfacher, als die meisten denken – und Du brauchst dafür weder ein Gewächshaus noch teures Zubehör. Ein Trieb, ein scharfes Messer, etwas lockeres Substrat: Aus einem einzigen Feigenbaum ziehst Du in einer Saison ein Dutzend neue Pflanzen. Und genau jetzt, im Spätsommer, ist die beste Zeit dafür.

Das Wichtigste in Kürze
Die beste Zeit ist Juli bis September – dann hat der Trieb genau das richtige Wachstumsstadium. Mit halbreifem Holz und Haube bewurzeln rund 70 bis 90 Prozent der Stecklinge. Nach drei bis sechs Wochen zeigen sich die ersten Wurzeln, nach einem Jahr steht eine kräftige Jungpflanze da. Und der wichtigste Punkt: Der Ableger kommt nicht im ersten Jahr ins Freiland, sondern erst nach dem zweiten Winter.
Warum sich Feigen vermehren lohnt
Feigen gehören zu den ältesten Kulturpflanzen der Welt und bringen mediterranes Flair direkt in Deinen Garten. Der eigentliche Grund, sie selbst zu vermehren, ist aber ein praktischer: Eine Feige aus dem Steckling ist sortenecht. Sie trägt exakt die Früchte der Mutterpflanze – Geschmack, Reifezeitpunkt, Winterhärte inklusive. Bei einer Aussaat aus Kernen bekommst Du dagegen eine Zufallssorte, die oft erst nach acht Jahren fruchtet und in unserem Klima meist enttäuscht.
Dazu kommt: Feigen bewurzeln außergewöhnlich willig. Wer bei Rosen oder Zitrus schon gescheitert ist, hat hier deutlich bessere Karten. Und wenn Du eine bewährte Sorte im Bekanntenkreis entdeckst – Ronde de Bordeaux, Brown Turkey, Violetta – reicht ein einziger Trieb, um sie in Deinen Garten zu holen.
Eine Sache brauchst Du dafür allerdings: eine Mutterpflanze. Wenn Du noch keine im Garten stehen hast, lohnt sich der Einstieg über eine erprobte Sorte – zwei aus der Schweizer Gustissimo®-Züchtung von Lubera zeige ich Dir hier. Beide sind Twotimer, tragen also zweimal im Jahr, und beide brauchen keinen Befruchter. In ein bis zwei Jahren hast Du daran genug Triebe, um nach genau dieser Anleitung selbst weiterzuvermehren.

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Hier bestellenWann Feigenstecklinge schneiden? Der richtige Zeitpunkt
Im Spätsommer haben die diesjährigen Triebe genau das richtige Wachstumsstadium. Man nennt das halbreifes Holz: Der Trieb ist unten schon leicht verholzt und bräunlich, oben noch grün und biegsam. Er hat Kraft zum Wurzeln, ist aber nicht mehr so weich, dass er fault. Älteres, vollständig verholztes Material eignet sich zu dieser Jahreszeit weniger gut.
Der einfache Test: Biege den Trieb. Knickt er sofort weg wie ein Salatblatt, ist er noch zu jung. Bricht er trocken durch, ist er zu alt. Biegt er sich federnd und geht dann zurück – perfekt.

Feigenstecklinge schneiden – Schritt für Schritt
Das brauchst Du
- Scharfes, sauberes Messer oder eine Gartenschere (Alkohol drüber – Feigen sind empfindlich gegen Keime)
- Töpfe mit 9–11 cm Durchmesser, mit Abzugsloch
- Lockeres Anzuchtsubstrat: rund 50 % Perlite, 50 % nährstoffarme Anzuchterde
- Etwas Blähton oder Basaltsplit für die Drainageschicht
- Bewurzelungspulver (optional, erhöht die Quote aber spürbar)
- Gefrierbeutel, Haube oder ein durchsichtiger Becher zum Überstülpen

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In den Einkaufswagen- Steckholz schneiden. Schneide einen frischen Trieb mit etwa vier Knoten (Augen) – an jedem Knoten sitzt ein Blatt, das zeigt Dir die richtige Länge von meist 15–25 cm. Nimm Triebe aus dem äußeren, gut belichteten Bereich; Schattentriebe sind weich und faulen leichter. Am besten morgens schneiden, wenn die Pflanze noch prall mit Wasser gefüllt ist.
- Schrägschnitt setzen & Blätter entfernen. Unten machst Du einen Schrägschnitt direkt unter einem Knoten – dort sitzt das teilungsfähige Gewebe, aus dem die Wurzeln kommen. Oben schneidest Du gerade ab, so verwechselst Du später nicht oben und unten. Alle Blätter bis auf ein kleines Reststück werden entfernt, sehr große Blätter halbierst Du.
- Das richtige Substrat mischen. Etwa 50 % Perlite und 50 % nährstoffarme Anzuchterde. Warum nährstoffarm? Der Steckling hat noch keine Wurzeln, die Nährstoffe aufnehmen könnten – Dünger schadet nur und fördert Algen und Pilze. Unten in den Topf kommt eine Drainageschicht aus Basaltsplit oder Blähton.
- Bewurzelung fördern. Tauche das untere Ende in Bewurzelungspulver und stecke den Steckling so tief ins Substrat, dass zwei Knoten bedeckt sind. Nur die Spitze mit dem verbliebenen Blattrest schaut heraus. Substrat leicht andrücken, aber nicht verdichten.
- Feucht halten & Luftfeuchtigkeit sichern. Gieße vorsichtig an und decke den Topf mit einem Gefrierbeutel oder einer Haube ab. So entsteht ein Mini-Gewächshaus, in dem der Steckling weniger verdunstet, als er nachliefern kann. Wichtig: einmal täglich für ein paar Minuten lüften, sonst schimmelt es.
- Den richtigen Standort wählen. Hell, aber ohne direkte Mittagssonne – unter der Haube wird es sonst schnell zum Backofen. Ideal sind 20–25 °C. Bodenwärme hilft enorm: ein Platz über der Heizung oder eine Anzuchtmatte beschleunigt die Wurzelbildung deutlich. Substrat feucht halten wie einen ausgewrungenen Schwamm, nicht nass.

Feigenstecklinge bewurzeln: Woran Du den Erfolg erkennst
Nach 3 bis 6 Wochen zeigen sich die ersten Wurzeln. Nur: Nachschauen darfst Du nicht – jedes Ausgraben kostet die zarten Wurzelspitzen. Diese drei Zeichen verraten Dir trotzdem, dass es geklappt hat:
- Der Steckling treibt neue, frische Blätter. Das ist das deutlichste Signal.
- Ein leichter Zug am Steckling trifft auf Widerstand.
- Erste weiße Wurzelspitzen erscheinen am Abzugsloch des Topfes.
Dann kannst Du die Haube schrittweise entfernen – über eine Woche hinweg, damit sich die Pflanze an die trockenere Luft gewöhnt. Nimm sie erst stundenweise ab, dann für einen halben Tag, dann ganz.
Feigenbaum-Ableger: wann einpflanzen?
Das ist die entscheidende Frage – und der häufigste Fehler. Ein frisch bewurzelter Steckling gehört nicht im ersten Jahr ins Freiland. Er hat noch kein Wurzelsystem, das einen deutschen Winter übersteht. Der Fahrplan:
| Zeitpunkt | Was ansteht |
|---|---|
| 3–6 Wochen nach dem Stecken | Erste Wurzeln. Haube schrittweise abnehmen. |
| ca. 8 Wochen / Wurzeln am Topfrand | Umtopfen in 1–2 L Topf mit normaler Kübelpflanzenerde. Erste schwache Düngung. |
| 1. Winter | Frostfrei überwintern bei 0–10 °C: Garage, Keller, kaltes Treppenhaus. Nicht ins warme Wohnzimmer. |
| Frühjahr 2. Jahr (April/Mai) | Umtopfen in 5–7 L. Nach den Eisheiligen raus. Jetzt entspitzen für buschigen Wuchs. |
| 2. Winter | Geschützt draußen an der Hauswand oder weiter frostfrei, je nach Sorte. |
| Frühjahr 3. Jahr (Mai) | Jetzt ins Freiland auspflanzen – die Pflanze ist stark genug. |
Wenn Du Deine Feige dauerhaft im Kübel halten willst, entfällt das Auspflanzen natürlich – dann topfst Du alle zwei bis drei Jahre in die nächste Größe um.

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In den EinkaufswagenDie ersten Wochen: so pflegst Du die Jungpflanze
Nach wenigen Wochen zeigen sich die ersten Austriebe. Ein Jahr später hast Du bereits eine kleine, kräftige Jungpflanze. Damit sie das auch wird, kommt es auf drei Dinge an:
Entspitzen. Damit Dein Feigenbäumchen später schön buschig wächst, solltest Du es frühzeitig entspitzen – also den Haupttrieb bei etwa 30–40 cm Höhe kappen. Das regt die Pflanze an, viele Seitentriebe zu bilden, an denen sich in den kommenden Jahren die ersten Früchte entwickeln. Feigen fruchten am jungen Holz, mehr Triebe heißt also schlicht mehr Feigen.
Düngen – aber später. Die ersten sechs bis acht Wochen bekommt der Steckling gar keinen Dünger. Erst wenn er sichtbar wächst und umgetopft ist, gibst Du alle zwei Wochen eine schwach dosierte Gabe. Ab August stellst Du das Düngen komplett ein, damit das Holz vor dem Winter ausreift.
Langsam an die Sonne gewöhnen. Eine Pflanze, die unter der Haube groß geworden ist, verbrennt in voller Sonne innerhalb eines Tages. Gib ihr zwei Wochen im Halbschatten, bevor sie den vollen Südplatz bekommt.
Auspflanzen: Standort, Boden und Pflanzzeit
Ab dem dritten Jahr darf Deine selbst gezogene Feige ins Beet. Damit sie dort dauerhaft glücklich wird:
- Standort: Vollsonnig und windgeschützt. Eine Südwand ist ideal – sie speichert Wärme und gibt sie nachts wieder ab. Genau das schafft die Handvoll Extra-Grad, die eine Feige nördlich der Alpen braucht.
- Boden: Durchlässig, eher mager, gerne kalkhaltig. Staunässe ist der häufigste Killer. Bei schwerem Lehm arbeitest Du großzügig Sand oder Splitt ein und legst eine Drainageschicht ins Pflanzloch.
- Pflanzzeit: Mai, nach den Eisheiligen. Eine Herbstpflanzung ist bei Feigen riskant – die Pflanze wurzelt nicht mehr ausreichend ein.
- Winterschutz in den ersten Jahren: Stammbereich mit Laub und Reisig abdecken, Krone bei Bedarf mit Vlies einpacken.
Praxisvideo
Ab Minute 6:44 zeige ich Dir meine Tipps & Tricks, wie Du Feigen ganz einfach selbst vermehren kannst.
Häufige Fragen zum Feigenbaum vermehren
Wie lange dauert es, bis Feigenstecklinge Wurzeln bilden?
Bei 20–25 °C etwa drei bis sechs Wochen. Bodenwärme von unten verkürzt das spürbar. Wenn nach acht Wochen nichts passiert ist, war das Holz meist zu jung oder zu alt – dann lieber neu ansetzen.
Kann ich Feigenstecklinge im Wasserglas bewurzeln?
Ja, Feigen bewurzeln im Wasser sehr zuverlässig, und Du kannst dabei zusehen. Der Haken: Wasserwurzeln sind dünner und brüchiger als Erdwurzeln, viele sterben beim Umtopfen ab. Wenn Du es versuchst, nimm nur 2–3 cm Wasser, wechsle es alle zwei Tage und topfe um, sobald die Wurzeln 2–3 cm lang sind – nicht später.
Kann ich Feigen auch aus Kernen ziehen?
Technisch ja, praktisch nein. Sämlinge sind nicht sortenecht, fruchten oft erst nach acht Jahren und viele bleiben ohne Bestäuber-Wespe fruchtlos. Für den Ertrag ist die Stecklingsvermehrung immer die richtige Wahl.
Wann kann ich einen Feigen-Ableger einpflanzen?
Ins Beet erst ab dem dritten Frühjahr, also nach zwei Wintern. Vorher wird die Pflanze im Topf kultiviert und frostfrei überwintert. Wer zu früh auspflanzt, verliert die Jungpflanze meist im ersten harten Winter.
Brauche ich unbedingt Bewurzelungspulver?
Nein. Feigen bewurzeln auch ohne. Das Pulver hebt die Erfolgsquote aber spürbar an und beschleunigt den Prozess – bei zehn Stecklingen macht das den Unterschied zwischen sechs und neun Pflanzen.
Mein Steckling verliert alle Blätter – ist er tot?
Meist nicht. In der ersten Woche wirft der Steckling Blätter ab, um die Verdunstung zu senken. Solange der Trieb selbst grün und fest bleibt, ist alles in Ordnung. Kritisch wird es erst, wenn er weich und schwarz wird – das ist Fäulnis durch zu viel Nässe.
Wann trägt eine selbst gezogene Feige die ersten Früchte?
Meist im dritten bis vierten Jahr. Konsequentes Entspitzen in den ersten beiden Jahren beschleunigt das, weil die Pflanze mehr junges Holz bildet – und genau daran sitzen die Feigen.
Fazit
Feigen zu vermehren ist keine Zauberei, sondern ein wunderbares DIY-Projekt für den Spätsommer. Mit ein wenig Geduld und den richtigen Handgriffen kannst Du Deinen Garten oder Balkon schon bald mit eigenen Feigen bereichern.
Mein Rat, wenn Du jetzt startest: Schneide fünf bis zehn Stecklinge statt zwei, gib ihnen Wärme von unten und lüfte täglich. Dann hast Du in einem Jahr mehr Feigenbäume, als Du unterbringen kannst.
Viel Erfolg beim Ausprobieren – und vielleicht bepflanzen wir die Welt ja irgendwann tatsächlich mit Feigen!
Dein Gartencoach 🌿